Hier ein Artikel aus Heft Nr. 19; er entstammt einer Zusammenfassung über die Berichterstattung in färöischen Tageszeitungen, zusammengestellt und übersetzt von Detlef Wildraut:

Kulturelles

D a s herausragende kulturelle Ereignis auf den Färöern im Jahr 1997 war die Uraufführung des Films Barbara des dänischen Regisseurs Nils Malmros. Sie fand auf Einladung des färöischen "Landesregierungsmannes" (Ministers) für Kultur und Verkehr, Sámal Petur í Grund, und des Ferðaráð Foroya, der färöischen Tourismusbehörde am Abend des 28. September im Nordlandhaus in Tórshavn statt.
Anwesend waren ca. 500 geladene Gäste, Färinger und Ausländer, darunter die gesamte färöische Prominenz. Es war freilich nicht die allererste Uraufführung des Films.
Bereits am gleichen Tag um 16 Uhr hatten 200 Journalisten den Film im Kino Havnar Bio sehen können. Zuvor war der Film schon in Dänemark Journalisten gezeigt worden. Außerdem gab es im Vorfeld der Uraufführung eine Verstimmung, als bekannt wurde, daß die dänische Fluggesellschaft Mærsk Air von sich aus zu einer ersten Aufführung des Films auf den Färöern eingeladen hatte.
Nach energischen Protesten aus Tórshavn zog Mærsk Air seine Einladung wieder zurück.
Das gemeine Volk auf den Färöern jedoch mußte sich bis Freitag, 3.Oktober, gedulden, um den Film sehen zu können, im Havnar Bio oder im neuen Atlantis in Klaksvík . Aber auch dann konnten es nur diejenigen, die sich rechtzeit im Vorverkauf einen Kinoplatz gesichert hatten.
Vor der ersten Kinoaufführung des Films waren auf den Färöern ca. 7.000 Eintrittskarten im Vorverkauf abgesetzt worden, eine dort noch nie beim Vorverkauf erreichte Rekordzahl. Man rechne diese Zahl einmal auf deutsche Verhältnisse hoch! Die Kinovorstellungen waren über zwei Wochen lang ständig ausverkauft. Bis Mitte Oktober hatten 10000 Kinobesucher auf den Färöern den Film gesehen, 8000 im Havn und 2000 in Klaksvík. Gleichzeitig wurde der Film in Dänemark in 45 Kinos vorgeführt.
Der Film Barbara , der eine Zeitdauer von 143 Minuten hat, erhielt auf dem Skandinavischen Filmfestival in Trondheim seinen ersten Preis, 30.000 NKr, fürwahr ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts der Produktionskosten von 37,6 Millionen DKr.
Die nächste Filmfestivalstation für den Film werden die Berliner Filmfestspiele sein und für die Oscar - Preisverleihung in Hollywood im kommenden Jahr ist Barbara auch schon nominiert worden.
In den skandinavischen Ländern, wo der Film bisher nur zu sehen war, erhielt er mit wenigen Ausnahmen gute bis begeisterte Kritiken.
Regisseur Nils Malmros sagte, daß der Gedanke, den Roman Barbara zu verfilmen, ihn beschäftigt habe, seit er als 17-Jähriger zum ersten Mal das Buch gelesen hatte.
Die Vorbereitung des Films hat ihn vier Jahre lang beschäftigt. Dazu rechnet er auch seine Zeit als Arzt am Landeskrankenhaus in Tórshavn, die dazu diente, Land und Leute näher kennenzulernen.
Die ersten, die die Uraufführungsrechte für den Film kauften, waren Koreaner. Sie entschlossen sich spontan dazu, nachdem sie von Niels Malmros einen Filmausschnitt von wenigen Minuten erhalten hatten. Nils Malmros ist sehr zuversichtlich, daß es nicht nur bei den Koreanern bleiben wird. Deshalb muß der Film zuerst einmal nach Berlin und dann nach Hollywood.
Auf den Färöern erwartet man sich von der internationalen Reaktion auf den Film noch etwas anderes, zunehmendes touristisches Interesse für die Färöer.
In diesem Sinne brachte auch Postverk Føroya rechtzeitig vor der Uraufführung einen Satz von vier Briefmarken mit Fotomotiven aus dem Film Barbara heraus. Hoffen wir mit Ferðaráð Føroya, daß diese Erwartungen in Erfüllung gehen.
Die Gefahr, daß wahre Touristenhorden wie Heuschreckenschwärme über die Inseln herfallen, ist auch für die Zeit nach Barbara nicht zu befürchten. Und wir vom DFF hoffen, daß der Film überall in Deutschland zu sehen sein wird und auch hierzulande verstärkt Aufmerksamkeit und Interesse für die Färöer wecken wird, denn - mal unter uns gesagt - , ein ganz kleines bißchen möchten wir natürlich auch ganz gerne von diesem Färöerinteresse profitieren.

Im Herbst fanden in Saksun Außenaufnahmen für den isländischen Film Dansin (Der Tanz) statt. Die Vorlage für diesen Film lieferte die Geschichte Her skal danses (Hier gibt es Tanz) aus der gleichnamigen Sammlung von Erzählung von William Heinesen. Die "färöischste" Geschichte von Heinesen, nannte ein Literaturwissenschaftler sie.
Der Film Dansin ist für nordische Verhältnisse ein großer Film. Er hat eine Dauer von 90 Minuten und die Produktion kostet 12 Millionen Dkr. Bei dem Film wirken insgesamt 140 Schauspieler mit, darunter auch drei Färinger. Zu den Außenaufnahmen in Saksun kamen 30 der Schauspieler aus Island, außerdem wirkten dabei 30 färöische Statisten mit.
Regisseur des Films ist der bekannte isländische Filmregisseur August Guðmundsson. Der Film soll im Mai 1998 uraufgeführt werden.

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